Alleinerzieher
In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Alleinerzieher nahezu verdoppelt. In Deutschland sorgen derzeit rund 2,8 Millionen allein stehende Mütter bzw. (seltener) Väter für insgesamt vier Millionen Kinder.
Entgegen dem vielfach beschworenen Bild der dysfunktionellen Ein-Eltern-Familie scheint ein guter Teil der Alleinerzieher ihre Sache sehr kompetent zu bewältigen. Unter ihnen befindet sich eine wachsende Zahl von Frauen, die sich von Haus aus für diese Lebens- und Familienform entschieden haben. Zwar haben oder hatten die meisten anderen allein erziehenden Väter und Mütter die emotionalen und materiellen Folgen einer Scheidung oder Trennung zu verkraften, doch kann sich, sobald das erledigt ist, ein gut funktionierender Mechanismus zur Alltagsbewältigung einspielen.
Da die Kinder für gewöhnlich ein zweites Heim beim nicht-sorgeberechtigten Elternteil haben, ist es für alle Beteiligten wünschenswert, dass sich das Verhältnis zwischen den beiden Partnern normalisiert und kooperationsfähig wird. Das ist auch die beste Voraussetzung für das Gelingen zukünftiger Partnerschaften der leiblichen Eltern.
Neue Liebe
Die Aufnahme eines neuen Partners in die Ein-Eltern-Familie sollte mit etwas Voraussicht erfolgen. So ist es nicht nötig, Kinder in Kurzzeitbeziehungen einzuweihen. Wenn jeden Monat ein anderer Mann oder eine neue Frau am Frühstückstisch erscheint, so ist das für die Entwicklung des kindlichen Beziehungsverständnisses nicht unbedingt nützlich. Andererseits sollte den Kindern nicht die Möglichkeit eingeräumt werden, auf die Partnerwahl Einfluss zu nehmen. Derartige Machtbefugnis würde ihre kindlichen Kompetenzgrenzen innerhalb des familiären Gebildes extrem übersteigen und sich auf ihre spätere Fähigkeit zur Selbsteinschätzung negativ auswirken.
Wenn der Entschluss zu einer Partnerschaft getroffen ist, so kann der neue Partner/die neue Partnerin allmählich immer mehr Anteil am Familienleben nehmen. Die Kinder mit einem unbekannten Mitbewohner zu überrumpeln, würde die Kinder überfordern (und möglicherweise auch den neuen Partner). Ebenso wenig sollte das neue Familienmitglied eine Elternrolle übernehmen. Da die Loyalität der Kinder zu ihren leiblichen Eltern meistens sehr stark ist, stünde er oder sie damit auf aussichtslosem Posten. Aber als wohlgesonnener Freund oder als Beraterin der Kinder kann ein neuer Partner dem sorgenden Elternteil wertvolle Unterstützung geben und die Kinder in ihrer Entwicklung bereichern.