Denkanstöße zur Stressbewältigung
Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass vor allem unbewältigte psychische Konflikte für die Stressentstehung verantwortlich sind. Den seelischen Ursachen von chronischem Stress auf den Grund zu gehen, lohnt sich: Sie erhöhen damit nicht nur Ihre psychische, sondern auch Ihre körperliche Gesundheit.
Da Stress immer eine Reaktion auf eine Gefahrensituation ist, werden Menschen, die rasch mit Angst und Anspannung reagieren, früher und intensiver auf Bedrohungen reagieren. Abhängig von der Persönlichkeitsstruktur wird die Stressbewältigungsstrategie mehr offensiv (offen aggressiv, feindselig) oder defensiv (depressiv) ausgerichtet sein. Beide Verhaltensmuster haben dieselbe Wurzel: mangelndes Urvertrauen als Folge eines gestörten Ablaufes in der kindlichen Entwicklung. Bei nahezu allen schweren Stresserkrankungen im Erwachsenenalter lassen sich Traumatisierungen während der frühen Kindheit nachweisen.
Der Ablauf dieser ersten Entwicklungsphase entscheidet weitgehend darüber, ob ein Kind im späteren Leben angstfrei auf die Umwelt zugehen kann, Selbstvertrauen und Kontaktsicherheit im Umgang mit anderen Menschen erwirbt oder ob eine ängstlich misstrauische, feindselige Haltung sein weiteres Schicksal überschattet. Angst fördert die Ausbildung eines erhöhten Aggressionspotenzials. Je nachdem, ob sich die Hauptrichtung der Aggression im späteren Leben nach außen oder nach innen (gegen das eigene Ich) wendet, wird es entweder zu offen aggressiven oder umgekehrt zu depressiven Stressbewältigungsstrategien kommen.
Wenn Sie auf Ihre Gesundheit Wert legen, beschränken Sie sich bei Ihrer Stressprophylaxe nicht nur auf gesunde Ernährung und körperliche Fitness (Fitness und Sport ). Achten Sie auch auf Ihre Seele. Sollten Sie in Ihrem Leben chronischen Spannungszuständen ausgesetzt sein, streben Sie rasch eine Veränderung an. Analysieren Sie die möglichen seelischen Belastungen und die unbewussten Motive, die Ihren seelischen Konflikten zugrunde liegen. Wenn Sie aber das Gefühl haben, dass Sie alleine nicht weiterkommen, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe von qualifizierten klinischen Psychologen oder Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen ( Psychotherapien ). Diese können Ihnen dabei behilflich sein, Ihre psychischen Konflikte zu bewältigen.
Den seelischen Ursachen von chronischem Stress auf den Grund zu gehen, lohnt sich: Sie erhöhen damit nicht nur Ihre psychische, sondern auch Ihre körperliche Gesundheit.
Von einem seelischen Konflikt ist immer dann die Rede, wenn unterschiedliche psychische Interessen miteinander im Widerstreit stehen, z. B. die Gier nach Zigaretten und die Angst vor Lungenkrebs. Die meisten psychischen Konflikte weisen eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Eisbergmassiv auf: Nur ihre Spitze ist sichtbar, der weitaus größere Teil befindet sich unter der Bewusstseinsoberfläche. Hier einige Denkanstöße, wie Sie Ihre seelischen Konflikte besser verstehen und vielleicht auch lösen können: Stress ist immer ein Zeichen von Angst. Geben Sie Ihren Ängsten nicht nach. Wenn sie vor diesen flüchten, entwickeln Sie mit der Zeit sogar Angst vor der Angst. Flucht vor unangenehmen Situationen führt lediglich dazu, dass Sie mehr und mehr Dinge vermeiden und sich immer weiter aus dem Leben zurückziehen.
Stellen Sie sich Ihren Ängsten und gehen Sie Ihnen auf den Grund. Auch auf die Gefahr hin, dass Sie auf diese Weise mit der dunklen Seite Ihrer Persönlichkeit in Berührung kommen. Jeder psychische Konflikt wird durch einen meist unbewussten Triebwunsch hervorgerufen. In vielen Fällen gilt die Faustregel: Wovor sich ein Mensch fürchtet (was er hemmt, was er zwanghaft kontrolliert), das wünscht er insgeheim herbei. So kann Lampenfieber (etwa die Angst, vor einer größeren Anzahl von Menschen zu sprechen) eine Reaktion auf exhibitionistische Bedürfnisse sein. Hinter extremer Reinlichkeit kann der Wunsch stecken, sich mit "schmutzigen" Dingen zu befassen. Devotes Verhalten kann auf unterdrückte aggressive Wünsche hinweisen. Autoritätsängste auf den Wunsch, die Autorität zu stürzen. Die meisten dieser Wünsche stammen aus der Kindheit und entsprechen nicht der Bedürfnislage eines Erwachsenen.
Das Lebensalter eines Menschen deckt sich nur selten mit seinem psychischen Entwicklungsalter. Eine Vierzigjährige kann sich wie eine Vierjährige verhalten, ohne dass sie oder andere sich dessen bewusst sind. Das psychische Entwicklungsalter ist nicht konstant, sondern schwankt sogar im Laufe eines Tages. Das führt dazu, dass wir uns in verschiedenen Situationen unterschiedlich reif verhalten. Wenn Sie mit einem anderen Menschen Schwierigkeiten haben, überlegen Sie, welchem Entwicklungsalter sein Verhalten entspricht (dem eines Drei-, Fünf- oder Fünfzehnjährigen). Analysieren Sie auch Ihre eigenen Reaktionen. Entsprechen diese einem Erwachsenen oder reagieren Sie ebenfalls wie ein Kind (und wie alt ist es)? Sobald Ihnen Ihre infantilen Anteile an einer Situation bewusst sind, nehmen Sie sich zurück. Gehen Sie innerlich auf Distanz und versuchen Sie, dieselbe Situation aus der Perspektive eines Erwachsenen zu sehen.
Machen Sie das Angstlied des Wiener Allroundkünstlers André Heller zu Ihrer Maxime: "Es gibt eine Angst, die macht klein. Die macht einen krank und allein. Und es gibt eine Angst, die macht klug. Mutiger, freier vom Selbstbetrug."
