Eifersucht
Eifersucht war im Gefolge der sexuellen Revolution lange Zeit als altmodisch-engstirniges Verhaltensmuster verschrien, als Ausdruck von mangelndem Selbstbewusstsein und Unfähigkeit, dem Partner zu vertrauen, als Lust, den Partner zu besitzen und als Kontrollwahn verpönt. Neuerdings bringt die Wissenschaft die machtvolle Emotion Eifersucht wieder zu Ehren. Evolutionspsychologen haben in ihr eine aktuelle Sinnhaftigkeit entdeckt.
Als genetisches Programm dient sie tatsächlich dazu, den Partner zu vereinnahmen: Sie treibt den Mann zu verhindern, dass seine Gefährtin hinter seinem Rücken von einem Rivalen geschwängert wird und er in der Folge die Aufzucht fremder Kinder untergejubelt bekommt. Die Frau wird durch Eifersucht genötigt, ihrem Mann näheren Kontakt zu anderen Frauen zu vergällen. So stellt sie sicher, dass er nicht weitere Familien gründet und womöglich woanders investiert als in sie und ihre Sprößlinge.
In der heutigen Zeit, wo Frauen durchaus in der Lage sind, ihre Kinder auch allein aufzuziehen und wo die Genanalyse jede Unklarheit bezüglich einer Vaterschaft auszuräumen vermag, erscheint die Eifersucht obsolet: Bestrebungen, den anderen zu besitzen, machen nicht nur keinen Sinn, sondern sind angesichts der aktuellen Scheidungsstatistik vergeudete Energie.
Schutz der Liebe
Neuerdings bringt die Wissenschaft die machtvolle Emotion Eifersucht wieder zu Ehren. Evolutionspsychologen haben in ihr eine aktuelle Sinnhaftigkeit entdeckt. Der gute Zweck der Eifersucht: die Paarbeziehung vor der Zerstörung durch Dritte zu schützen - Eifersucht als Grund und Voraussetzung für Liebe. Wer liebt, ist eifersüchtig.
Nach diesem neuesten Erkenntnisstand kommt es also nicht mehr darauf an, ob jemand eifersüchtig ist, sondern vielmehr darauf, wie er oder sie mit der Emotion umgeht. Ein wenig Eifersucht ist normal und nützlich. Gut, dass es die Wissenschaft gibt.
Eifer-"Sucht"
Doch bekommt Eifer-"Sucht" leicht Suchtcharakter - nämlich dann, wenn jemand von der Charakterstruktur her narzisstisch disponiert ist und den möglichen Verlust des Partners oder der Partnerin als vernichtenden Stoß gegen sein Selbstwertgefühl fürchtet. Da hilft nur, sich langsam, aber sicher mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass nach heutigen Gesellschaftsregeln niemand mehr sich jemandes anderen sicher sein kann. Zum Trost lässt sich noch hinzufügen, dass das Gefühl der Unsicherheit ein gutes Zeichen ist, denn erfahrungsgemäß geht es mit einer Beziehung unweigerlich bergab, wenn man sich ihrer zu sicher ist.
Eifersucht kann auch die eine Seite im Spiel der so genannten "Eifersucht-Untreue-Kollusion" sein. Auf solche Beziehungen fallen Leute leicht herein, wenn sie ihre Ablösung von den Eltern nicht vollzogen haben. Psychologen sprechen von einer anal-sadistischen Beziehungsdynamik. Dabei übernimmt ein Partner die emanzipatorischen Bestrebungen und der andere die Trennungsängste. Sie teilen sich also die bei einem Ablösungsprozess normalerweise in einer Person wirkenden Kräfte auf. Der scheinbar unabhängige, untreue Partner braucht den abhängigen, eifersüchtigen Partner tatsächlich als Halt, lebt aber stellvertretend für den anderen die im Grunde gefürchtete Freiheit aus. Will sich der Betrogene emanzipieren, so wird er vom anderen schnell wieder zurechtgestutzt. Gleichzeitig wird der Ungetreue durch ständige Schnüffelei und Kontrolle von Seiten des Betrogenen zu immer weiteren Eskapaden gereizt. Ein Teufelskreis, in dem sich die Rollen von einem Tag auf den anderen umkehren können - wenn sich nämlich der bislang Betrogene in jemanden anderen verliebt. In dem Augenblick übernimmt er die dominante Rolle und der Untreue wird zum Abhängigen.
Wer in einer solchen Dynamik gefangen ist, kommt nicht darum herum, sich mit seinen Wünschen nach Abhängigkeit und der Angst vor Autonomie auseinanderzusetzen. Solche Paare meinen unbewusst, dass ihre Beziehung auseinanderfallen wird, sobald jeder für sich autonome Bereiche abzirkelt und Einzelinitiativen entfaltet. Doch das Gegenteil trifft zu: Nur eigenständig lebensfähige Menschen können eine stabile Partnerschaft führen.
Ewige Treue - ein hohes Ideal
In Zeiten, da die Lebenserwartung steigt, und Beziehungen sehr lange halten müssen, falls sie ein Leben lang halten sollen, ist das Ideal der Treue "bis dass der Tod uns scheidet" so schwer erfüllbar wie noch nie zuvor. Zwar ist es ein gutes, sinnvolles Ideal, doch sollten vereinzelte Verstöße nicht den Weltuntergang bedeuten. Sie sind heute kaum mehr vermeidbar. Solange allen Beteiligten, auch dem oder der hinzustoßenden Dritten, klar ist, dass die Beziehung des Paares an erster Stelle steht, wird es möglich sein, Wege zu finden, um die emotionale Krise zu bewältigen und daraus gemeinsam zu lernen.