Gesprächspsychotherapie
Bei der Gesprächspsychotherapie handelt es sich um einen nichtdirektiven Ansatz. Wie bei der Psychoanalyse stehen die Einfühlung und das Verstehen im Zentrum des therapeutischen Geschehens, wobei der Gesprächspsychotherapeut im therapeutischen Prozess eine spiegelnde und keine interpretierende Haltung einnimmt. Die therapeutische Beziehung wird als eine reale Begegnung verstanden. Die psychoanalytischen Konzepte der Übertragung und des Widerstandes finden keine Berücksichtigung. Wie bei der Gestalttherapie können auch bei diesem Ansatz verschiedenste Techniken (Rollenspiel, Malen etc.) Anwendung finden. Die körperliche Kontaktaufnahme mit dem Klienten ist in bestimmten Situationen möglich.
Technik
Für die therapeutische Haltung sind drei Grundeinstellungen von größerer Bedeutung als konkrete technische Interventionen: Empathie (nicht wertendes, einfühlendes Verstehen), Akzeptanz (unbedingte Wertschätzung) und Kongruenz (Echtheit). Die wesentlichsten Vorgänge beim Klienten während der Therapie sind die "Selbstauseinandersetzung" und die "Selbstöffnung." Es bleibt ihm selbst überlassen, über welche Inhalte er während der Therapiesitzung spricht; dadurch, dass der Therapeut den Klienten nicht direkt berät, wird der Wachstums- und Selbstentfaltungsprozess nicht gestört.
In der Einzeltherapie sitzen der Therapeut und der Klient einander in einem ruhigen Raum gegenüber. Die Dauer eines Gesprächs beträgt im allgemeinen ca. 50 Minuten einmal wöchentlich. Der personenzentrierte Ansatz erlaubt auch die Integration von anderen Elementen (Berührung, Übungen, Spiel), die variabel einsetzbar sind. Die Gesprächspsychotherapie kann auch in Gruppen angewandt werden.
Theoretischer Hintergrund
Dem klientenzentrierten Ansatz liegt die Überzeugung zugrunde, dass der Mensch in einem andauernden Prozess der Veränderung steht und über ein ihm innewohnendes Potenzial zur Selbstverwirklichung ("Selbstaktualisierungstendenz") verfügt. Er ist in der Lage, selbst die Verantwortung für seine Gefühle, Ideen und Handlungen zu übernehmen und sich von "innen" zu steuern. Das Selbst bzw. das Selbstkonzept ist das Resultat der Interaktion und Auseinandersetzung einer Person mit ihrer Umwelt, vor allem mit der sozialen Umwelt. Es gilt die Spaltung ("Inkongruenz") zwischen Selbstkonzept und aktueller Erfahrung aufzuheben, die sich in Leidenszuständen und Störungen niederschlägt.
Zur Geschichte der Gesprächspsychotherapie
Die Gesprächspsychotherapie wurde in den vierziger Jahren vom Amerikaner Carl Rogers (1902-1987) begründet. Ursprünglich nannte er seine therapeutische Methode "nicht-direktive Psychotherapie", später "klientenzentrierte Psychotherapie", wobei man auch häufig von der "personenzentrierten Psychotherapie" spricht.
Rogers studierte Theologie, Agrarwissenschaften und Klinische Psychologie und lehrte an verschiedenen amerikanischen Universitäten. In La Jolla / Kalifornien war er Mitbegründer des Center for Studies for the Person, an dem Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen für die Leitung personenzentrierter Gruppen und Projekte im Schul- und Erziehungsbereich stattfanden. Rogers war ein überzeugter Vertreter des humanistischen Ansatzes und engagierte sich in den letzten Jahren seines Lebens in der Friedensarbeit und der Förderung interkultureller Kommunikation.
Durch Reinhard und Annemarie Tausch ist die "Rogerianische Therapie" ab 1960 unter dem Namen "Gesprächspsychotherapie" auch im deutschen Sprachraum bekannt geworden.