Großfamilie oder Kleinfamilie?
Jeder verbindet mit dem Begriff "Familie" eine eigene Vorstellung. Sie wird davon bestimmt, wie der soziale Verband ausgesehen hat, in dem er oder sie die Kindheit verbracht hat. Wenn nun die diesbezüglichen Bilder zweier Partner sehr divergieren, so kann das im familiären Alltag ständige Reibungen zur Folge haben.
Jemand, der als Einzelkind allein mit Vater und Mutter aufgewachsen ist, hat andere Mechanismen entwickelt, um sich Anregung, Entspannung und Geborgenheit zu verschaffen als ein anderer, der ständig auch noch von Geschwistern, Cousins, Onkeln, Tanten und Großeltern umgeben war.
Während für manche erwachsene Einzelkinder mit dem Eintauchen in die Großfamilie des Partners ein Kindheitstraum wahr wird, kommen viele andere mit häufiger Anwesenheit von Angehörigen des Schwiegerclans weniger gut klar. Sie fühlen sich dadurch bedrängt und in ihrer Freiheit eingeschränkt. In diesem Fall sollten die Partner versuchen, eine Lösung auszuhandeln, die die Bedürfnisse beider so gut wie möglich berücksichtigt.
Dabei wäre es wichtig sich darüber klar zu sein, dass keinem Partner zum Vorwurf gemacht werden kann, wenn er die traute Zweisamkeit einem bewegten Clanbetrieb vorzieht oder umgekehrt. Auch lässt sich nicht erzwingen, dass einem die Angehörigen des Partners oder der Partnerin ans Herz wachsen.
Auf jeden Fall sollte der weniger familienhungrige Partner die Möglichkeit haben, sich bei Schwiegerbesuchen zurückzuziehen, ohne dass das als allgemeines Aufbruchssignal verstanden wird. Er oder sie muss auch nicht bei allen Familientreffen dabeisein. Im Gegenzug sollte der Partner, dem viel am Kontakt mit seinem Anhang gelegen ist, kein schlechtes Gewissen haben, diesen auch außerhalb der eigenen vier Wände zu pflegen. Dabei gilt die Grundregel, dass die Partnerschaft Vorrang genießt.
Wenn Kinder da sind, kann es allerdings sehr hilfreich sein, allfällige großfamiliäre Bande zu aktivieren, denn sie können die Eltern entlasten und den Nachwuchs bereichern.