Kinder - ja oder nein?
Immer weniger Paare entscheiden sich heute für Nachwuchs. Der Grund für den Geburtenstreik dürfte vor allem in den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen liegen, die Elternschaft zu wenig fördern. Ein anderer Faktor ist die Instabilität der Paarbeziehungen. Tatsächlich stellt vor allem das erste Kind die meisten Paare vor eine harte Belastungsprobe. Rund ein Jahr dauert es, bis sich die Zweierbeziehung zu einer gut ausbalancierten Dreierbeziehung gewandelt hat.
Immer weniger Paare entscheiden sich heute für Nachwuchs. In Deutschland und Österreich liegt die Geburtenziffer unter dem so genannten Bestanderhaltungsniveau von zwei Kindern pro Frau. Der Grund für den Geburtenstreik dürfte vor allem in den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen liegen, die Elternschaft zu wenig fördern. Kinder in die Welt zu setzen bringt einige Nachteile mit sich: Eltern haben weniger Zeit und Geld für sich selbst zur Verfügung, müssen berufliche Kompromisse schließen und sich immer wieder bis an ihre Grenzen belasten lassen - etwa wenn ein Kind erkrankt. Ein anderer Faktor, der den Enthusiasmus für das Kinderkriegen hemmt, ist die Instabilität der Paarbeziehungen. Viele Frauen zögern mit der Schwangerschaft, weil sie sich nicht sicher sind, dass ihre Beziehung halten wird. Tatsächlich stellt vor allem das erste Kind die meisten Paare vor eine harte Belastungsprobe. Rund ein Jahr dauert es, bis sich die Zweierbeziehung zu einer gut ausbalancierten Dreierbeziehung gewandelt hat.
Auf der Habenseite steht allein die Freude am Nachwuchs, die allerdings in der Regel unter dem Strich so groß ist, dass sich die Sache reichlich bezahlt macht.
Wenn der Wunsch nach einem Kind besteht, er aber von ambivalenten Gefühlen begleitet ist, so wäre es gut, die Lage genau zu analysieren. Wesentliche Fragen, die dabei zu stellen wären, sind: Warum wollen wir unser Kind jetzt, und was würde dagegen sprechen, es jetzt zu haben? Die Antwort kann von beeindruckender Zwiespältigkeit sein, etwa: Die Frau ist noch im Studium und könnte sich ihre Zeit jetzt ganz gut einteilen, um ein Baby zu versorgen. Aber zwei Jahre später, wenn sie ihren Berufseinstieg bewerkstelligen soll, wäre sie mit einem Kleinkind belastet, dem sie es nicht zumuten möchte, ganztägig in fremder Betreuung zu bleiben. Bei ihrem Partner fangen die Dinge beruflich gerade gut an zu laufen. Für ihn ist kaum denkbar, dass er in zwei Jahren die Mutter in der Karenz ablösen könnte.
Glücklicherweise besteht heute kein Druck mehr, Kinder früh zu bekommen. Galt bis vor wenigen Jahrzehnten eine Frau, die Ende 20 ihr erstes Kind bekam als "alte Erstgebärende", so werden heute 35-Jährige, ja sogar 40-Jährige komplikationslos zum erstenmal Mutter. Das bedeutet eine wesentliche Erleichterung der Lebensplanung: Wenn ein Paar in seinen Jobs etabliert und die Partnerschaft erprobt ist, dann lässt sich auch stressfrei Nachwuchs in die Welt setzen.
Doch können ebenso tiefer liegende Ursachen dahinter stecken, wenn ein Partner sich nicht mit dem Kinderwunsch des anderen anzufreunden vermag. So kann die Angst, für ein Kind Verantwortung zu übernehmen, in Verlusterfahrungen aus der frühen Kindheit, beispielsweise durch den Tod der eigenen Mutter, begründet liegen. In solchen Fällen kann es ratsam sein, psychologischen Rat einzuholen.
Aber auch Unzufriedenheit in der Partnerschaft kann der Lust auf ein Kind abträglich sein. Außerdem fällt es Frauen in der heutigen Zeit, in der Lebensabschnittspartnerschaften immer häufiger werden, zunehmend schwerer, sich für das Langfristprojekt Kind zu entscheiden. Zu groß erscheint ihnen das Risiko, zuletzt mit dem Kind allein dazustehen.
Gut zu überlegen ist auch, ob einem Kind wirklich die unbewusste Aufgabe zu übergeben ist, einer zum Stillstand gekommenen Beziehung wieder neue Energien zu spenden. Es empfiehlt sich in dieser Situation unbedingt eine gründliche Bestandaufnahme der Partnerschaft zu machen, da ein Kind doch auch noch zusätzliche Belastungen mit sich bringen kann. Erst wenn es gelungen ist, vorhandene Probleme dauerhaft zu lösen, sollte ernsthaft an Nachwuchs gedacht werden. Nicht immer ist es möglich, diese Fragen innerhalb der Partnerschaft zu klären. Oft ist es hilfreich, Rat von außen zu holen, von wohlmeinenden Freunden etwa, oder auch im Rahmen eines Gespräches bei einer Ehe- oder Familienberatungsstelle. Auch ein Gespräch (oder mehrere) mit einem Psychotherapeuten kann helfen, Klarheit zu schaffen.