Konzentrative Bewegungstherapie
Bei der Konzentrativen Bewegungstherapie handelt es sich um eine körperorientierte psychotherapeutische Methode, bei der Wahrnehmung und Bewegung als Grundlage von Erfahrung und Handeln genützt werden.
Technik
Die Konzentrative Bewegungstherapie legt ihr Hauptaugenmerk auf die bewusste Körperwahrnehmung im "Hier und Jetzt" auf dem Hintergrund der individuellen Lebens- und Lerngeschichte. Im Umgang mit Materialien und Personen wird neben den realen Erfahrungen ein symbolisierter Bedeutungsinhalt erlebbar. Diese Symbolik kann mit Hilfe bestimmter Gegenstände (Stab, Ball, Seil, Decke) verdeutlicht werden.
Der Therapeut begreift sich als Begleiter des Klienten auf dessen ganz persönlichem Weg zur Verwirklichung des eigenen Lebens. Das bedeutet oft ein nahes Miteinander und kann auch, besonders in der Einzelarbeit, über Kommunikation durch Berührungen erfolgen. Im psychoanalytischen Sinne werden Übertragungsmomente für den therapeutischen Prozess nutzbar gemacht.
Die Konzentrative Bewegungstherapie findet sowohl in Gruppen- als auch in Einzeltherapien statt und wird häufig bei psychosomatischen Beschwerden angewendet.
Theoretischer Hintergrund
Auf der Basis entwicklungs- und tiefenpsychologischer sowie lerntheoretischer Denkmodelle werden unmittelbare Sinneserfahrungen mit psychoanalytisch orientierter Bearbeitung verbunden. Es wird davon ausgegangen, dass jede emotionale Behinderung in der Kindheit auch eine motorische Hemmung und eine kognitive Einschränkung mit sich bringt. Durch die konzentrative Beschäftigung mit frühen Erfahrungsebenen (einfühlend und handelnd) werden Erinnerungen belebt, die im körperlichen Ausdruck als Haltung, Bewegung und Verhalten erscheinen. Somit können eigene Einstellungen und das eigene Verhalten zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Situationen, im Umgang mit verschiedenen Gegenständen und Partnern verglichen werden. Fixierte Haltungen und Fehlerwartungen können durch die Erprobung neuer Wege abgebaut werden. Aktualisierte Inhalte werden konkret erfahrbar und in einem tiefenpsychologisch orientierten Gespräch wird die Einordnung des Erlebten in die persönliche Lebensgeschichte ermöglicht.
Zur Geschichte der Konzentrativen Bewegungstherapie
Die Konzentrative Bewegungstherapie (KBT) hat ihre Wurzeln in der bewegungspädagogischen Arbeit Elsa Gindlers (1885-1961). Gindler ließ ihre Schüler selbst nach entsprechenden Ausdrucksmöglichkeiten suchen, wobei die Wahrnehmung von Spannung und Entspannung in den Bewegungsangeboten, die Atmung und gezielte Aufmerksamkeit auf den eigenen Bewegungsablauf im Vordergrund standen. Prof. Helmuth Stolze erweiterte im deutschsprachigen Raum die Konzentrative Bewegungstherapie um eine psychoanalytisch orientierte Bearbeitung der Bewegungsabläufe. Die Münchnerin Christine Gräff entwickelte diesen Ansatz weiter.