Menopause, Andropause - ein neuer Lebensabschnitt
Bei Frauen und Männern setzt normalerweise ab dem fünften Lebensjahrzehnt das Ende jenes Lebensabschnitts ein, der im menschlichen Lebenszyklus für die Fortpflanzung vorgesehen ist. Zwar können Männer noch bis ins hohe Alter Kinder zeugen und Frauen dank moderner Reproduktionsmedizin noch mit 60 gebären, doch entspricht das - zumindest heute noch - nicht dem durchschnittlichen Lebensverlauf.
Mit dem von der Natur angelegten Rückgang der Fortpflanzungsfähigkeit kommt es bei beiden Geschlechtern zu organischen und seelischen Veränderungen. Bei Frauen bleibt der monatliche Eisprung und damit die Periode aus und es verändern sich die Schleimhäute, bei Männern lässt die Erektionsfähigkeit nach. Und obwohl viele Menschen in einer Zeit, wo Sex enorm hoch bewertet wird, es nur ungern zugeben - bei beiden Geschlechtern verliert die sexuelle Libido ihren drängenden Charakter. Sie bleibt weiter bestehen, doch in einer milderen, leichter kontrollierbaren Form. Das müsste eigentlich als Erleichterung empfunden werden, doch gibt der herrschende sexuelle Leistungsdruck dazu vielen keine Gelegenheit.
Offene Welten
Allmählich zeigen sich in dieser Zeit auch erste Anzeichen des Älterwerdens. Die Spannkraft der Haut lässt nach und die Gestalt beginnt sich zu verändern. Der Abschied von der Zeit, als alle Möglichkeiten noch offen schienen, macht traurig. Manche Dinge, die bis dahin nicht realisiert werden konnten - insbesondere eigene Kinder oder Karriereträume - werden sich in der Zukunft vermutlich nicht mehr verwirklichen lassen.
Das Bild, das die meisten Menschen mit diesem Alter verbinden, ist negativ gefärbt durch die Wirklichkeit zahlloser früherer Generationen, für die sich damit das Leben zu neigen begann.
Doch befinden wir uns gerade in einer Revolution, die alles, was bisher für die Zeit nach der Meno- und Andropause - so heißt diese Phase der Veränderungen beim Mann - gegolten hat, auf den Kopf stellen. Dank der rasant steigenden Lebenserwartung, ihres generell hervorragenden Gesundheitszustandes und ihrer gesicherten finanziellen Lage stehen Menschen um die 50 heute Welten offen. Die alten Träume lassen sich durch neue ersetzen, bei deren Realisierung die Erfahrung der vorhergehenden Lebensjahrzehnte nützt. Schon machen sich in der Wirtschaft Tendenzen bemerkbar, die den Wert älterer Arbeitnehmer wieder zu würdigen wissen.
Neue Rollen
Auch auf dem Gebiet der Erotik ist es notwendig, zu seinem Wert und seinem Körper zu stehen. Wer sich ständig mit Jüngeren vergleicht, wird von der Lust nicht verwöhnt werden. Psychologen sagen, dass erfahrungsgemäß in einer guten Beziehung der Alterungsprozess für die Sexualität kein Thema ist. Für den Einzelnen ist er insofern sehr wohl ein Thema, als jede Frau und jeder Mann für sich klären muss, wie er oder sie in der neuen Lebensphase mit der Rolle als Frau und mit der Rolle als Mann umgeht. Dabei gilt ein Grundsatz: Das Wichtigste ist, einen Lebensinhalt zu haben. Doch dürfen das weder der Partner oder die Partnerin noch die Kinder oder Enkelkinder sein. Sein Leben von anderen abhängig zu machen, indem man alle Energie auf sie konzentriert, ist ein Würgegriff, der nur Konflikte erzeugt.
Freilich sollte es trotzdem an liebevoller Fürsorge füreinander und für die junge Generation nicht fehlen. Gerade angesichts der derzeitigen hohen Leistungsanforderungen im Berufsleben sind die Kinder dankbar für Entlastung in ihren familiären Aufgaben und profitieren die Enkelkinder von der Zuwendung der Großeltern - womit freilich keine Machtausübung über die jüngeren Generationen verbunden sein sollte.
Sicher und unbeschwert
Eine Frau sollte sich vor Augen halten, dass die Beziehung zu ihrem Partner mit allen Aspekten, inklusive Sex, eine wichtige Energiequelle ist. Falls sie Sex als Pflichtübung zu sehen beginnt, sollte sie zu ergründen versuchen, warum das so ist. Dass mit der Periode die Fruchtbarkeit wegfällt, bedeutet eine große Entlastung. Viele Frauen genießen es, jetzt zum ersten Mal eine vollkommen unbeschwerte Sexualität leben zu können. Manche Frauen haben die Tendenz, sich in späteren Jahren vor allem auf ihre Kinder und Enkelkinder zu konzentrieren und ihren Mann nur mehr als Vater oder Großvater zu sehen. Männer sind damit zu Recht gar nicht zufrieden und neigen dazu, mit einer Außenbeziehung zu reagieren.
Bevor er diesen Schritt tut, sollte ein Mann sich freilich fragen, ob er sich als Mann nur über die Sexualität definiert oder die Beziehung nicht noch anderes bieten kann, etwa miteinander zu leben in Verlässlichkeit, Vertrautheit, Wertschätzung und Bereitschaft auch Schwierigkeiten auszuhalten, dranzubleiben und nach Lösungen zu suchen. Manchmal wird etwas Wertvolles allzu schnell aufgegeben.
Oft entsteht Unlust auch dadurch, dass die Partner zu sehr aneinanderkleben und keinen Abstand voneinander halten, nach der Devise: "Er denkt so wie ich und er fühlt so wie ich." Eine solche Nähe sollte man sich nur punktuell gönnen, als großen Luxus - etwa an einem romantischen Wochenende oder während einer Urlaubsreise - sonst wird sie ersticken.