Panikattacken
Panikattacken treten meist unerwartet, ohne erkennbaren Auslöser auf. Die Anfälle können zwischen wenigen Minuten und bis zu zwei Stunden dauern. Sie werden oft als Gefühl innerer Überschwemmung beschrieben, das sich von der Magengegend ausgehend über den Brustraum und in weiterer Folge über den ganzen Körper ausbreitet. Panikattacken werden meist von Herzrasen, leicht erhöhtem Blutdruck, Unruhe, Atemnot, Zittern, Schweißausbrüchen, Übelkeit, mitunter auch von heftigem Harndrang begleitet. Der Anfall selbst geht meist mit Todesangst einher. Sobald ein Arzt zugegen ist bzw. eine Einlieferung in ein Krankenhaus erfolgt, flaut der Anfall abrupt ab. Oft tritt die erste Panikattacke als Folge eines Trennungserlebnisses oder einer Enttäuschung auf. Mitunter ist sie eine Reaktion auf eine psychische Überlastung.
Vor allem bei längerer Dauer der Angststörung entwickeln die Betroffenen eine ängstliche Erwartungshaltung (die Angst vor der Angst). Auf ihre unmittelbare Umgebung reagieren sie meist ungeduldig und gereizt. Bei besonders krassen Verläufen kommt es sogar zu einem völligen Rückzug aus der Öffentlichkeit, was die Betroffenen zu Gefangenen in ihren eigenen vier Wänden macht. Im Endstadium der Angststörung trauen sich diese Patienten dann nicht einmal mehr ihr Bett zu verlassen.
Da Panikattacken gehäuft bei Menschen mit unfreiwilliger sexueller Abstinenz oder einem unbefriedigenden Sexualleben auftreten, liegt die Vermutung nahe, dass es bei der Panikattacke zu einer Entladung der aufgestauten physiologischen Sexualspannung kommt. Da die Spannungsabfuhr sich der bewussten Kontrolle entzieht und auch nicht von sexuellen Empfindungen begleitet wird, ist die Angstreaktion auf den körperlichen Entladungsvorgang leicht nachvollziehbar.
Rat und Hilfe bei Panikattacken
Die überwiegende Mehrzahl der Angstkranken mit Panikattacken nimmt vorerst eine organische Ursache für die Anfälle an. Am häufigsten werden Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems befürchtet. Selbst wiederholte Versicherungen von medizinischer Seite, dass körperlich alles in Ordnung sei, ändern nichts an der Überzeugung der Betroffenen. Der ärztliche Ratschlag, es doch einmal mit einer Psychotherapie zu versuchen, ruft beim Kranken meist heftige Widerstände hervor. Viele fühlen sich danach von ihrem Arzt nicht mehr ernst genommen und wechseln zu einem anderen. Es ist daher schwer, Angstkranke mit Panikattacken für eine Psychotherapie zu motivieren. Dabei wäre eine rasche Aufnahme einer Psychotherapie - wenn möglich gleich nach dem ersten Anfall - wichtig. Denn mit zunehmender Dauer der Störung verschlechtert sich die Behandlungsprognose.
In Abhängigkeit vom Schweregrad und der spezifischen Symptomatik ist eine aufdeckende psychoanalytische Psychotherapie, eine aufklärende, beratende, stützende Behandlung oder auch eine Verhaltenstherapie sinnvoll. Die Entscheidung sollte auf jeden Fall in Absprache mit einem diesbezüglich erfahrenen Arzt oder Psychologen/Psychotherapeuten getroffen werden.
Da die Mehrheit der Angstkranken Rückzugstendenzen entwickelt, müssen sie auch in einer psychoanalytisch orientierten Psychotherapie dazu angehalten werden, sich ständig den Angst auslösenden Situationen auszusetzen. Zu Beginn der Psychotherapie kann eine unterstützende medikamentöse Behandlung sinnvoll sein.
Beschwichtigende Verharmlosungen("Ihnen fehlt ja nichts", "das bilden Sie sich bloß ein") sind nach Tunlichkeit zu unterlassen. Die Betroffenen fühlen sich dann lediglich falsch verstanden oder nicht ernst genommen. In einer Behandlungssituation führen solche Beruhigungsversuche meist dazu, dass die Patienten das Vertrauen verlieren.