Tanz- und Ausdruckstherapie
Die Tanz- und Ausdruckstherapie ist eine ganzheitliche, erlebnisorientierte Therapieform, die am einzigartigen Bewegungsausdruck jedes Menschen ansetzt. Dem Körper wird in tänzerischer Form Ausdruck verliehen und gleichzeitig wird dessen Wahrnehmungsfähigkeit verbessert. Das Tanzen stellt nach diesem Ansatz auch zwischenmenschliche Aktivität und innere Auseinandersetzung dar, wodurch persönliche Konflikte aktualisiert und durchgearbeitet werden können. Je nach Zielgruppe verwendet die Tanztherapie ein unterschiedliches methodisches Vorgehen (spielerisch-kreativ, bewegungsanalytisch, tiefenpsychologisch orientiert).
Technik
In der Tanztherapie werden Bewegungsaufträge gegeben, in denen es beispielsweise um die Umsetzung von Alltagssituationen, Träumen oder Phantasien geht. Im Laufe der Therapie wird das Repertoire an Bewegungsweisen vergrößert und vertieft. Über die Bewusstmachung der persönlichen Bewegungssymbolik können unbewusste Anteile der Persönlichkeit erlebt werden, was zu einem besseren Selbstverständnis beiträgt. Das Ziel der Tanz- und Ausdruckstherapie ist die Re-Integration von Körper, Geist und Psyche.
Der Beziehung zwischen Klient und Therapeut kommt durch die Unmittelbarkeit der Körperbewegung eine besondere Bedeutung zu. Je nach Erfordernissen und Bedürfnissen kann eine Einzel- oder Gruppentherapie angewendet werden.
Theoretischer Hintergrund
Elaine V. Siegel, Schülerin von Lilian Espenak, war die erste, die die Methodik einer psychoanalytischen Tanztherapie als eigenen Ansatz konzipierte. Ihr Ansatz stützt sich unter anderem auf Margaret S. Mahlers Interpretation der frühkindlichen Entwicklung, wodurch Interventionen bzw. Bewegungsaufträge im Hinblick auf die einzelnen Entwicklungsphasen erfolgen können. 1966 wurde die "American Dance Therapie Association" gegründet, ein Dachverband von Vertretern verschiedener tanztherapeutischer Ansätze.
Zur Geschichte der Tanz- und Ausdruckstherapie
Die Wurzeln dieser Therapierichtung entwickelten sich Anfang des 20. Jahrhunderts im Zeitgeist des Expressionismus. Ausgehend vom deutschen Ausdruckstanz und rhythmischer Gymnastik begründeten die Emigranten Marian Chace, Trudi Schoop, Mary Stark Whitehouse und Lilian Espenak in Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg die Tanztherapie.